
Das erklingende Streichquartett von Mikhail Quadri ist wohl ziemlich genau vor hundert Jahren entstanden. Und der Einspielung mag sogar die Uraufführung vorausgegangen sein.
Manches im Leben von Mikhail Quadri ist nicht belegbar. 1897 geboren, fiel sein Leben in Russland in stürmische Zeiten. Quadri durchlebte die russische Revolution erst auf Seiten der Weißen Armee, dann wechselte er zur Roten Armee der kommunistischen Bolschewiki. Erst mit 30 begann er sein Musikstudium. Als Adliger wurde er 1929 von den Revolutionären hingerichtet -aber das ist ja bis heute in Russland Tradition, dass echte oder vermeintliche Feinde umgebracht werden.
In seinem einzigen Streichquartett findet sich davon nichts. Seine Musik erklingt frei und gefällt mit ihrer Vitalität. Aus diesem Umfeld kommend findet sich in ihr moderne Textur allenfalls in vereinzelten Anzeichen. So mag sich der Hörer an der voller zugewandtem Leben steckenden Musik delektieren. In den vier Sätzen mit zusammen 20 Minuten Dauer erklingt ein bestens ausgearbeitetes Werk, das mit kurzweiliger Gestaltung zum Lauschen einlädt.
Das Asasello-Quartett bietet also erneut eine Rarität an. Das wunderbare am Spiel des Ensembles ist, dass es immer seine technischen Fähigkeiten einsetzt, diese aber nur als Basis für tragende und durchdachte Interpretationen und nicht nur zum Selbstzweck nutzt. Hier gibt das Quartett der Musik mit seinem sensiblen Spiel eine Qualität und Tiefe, die man dem Werk erst einmal entlocken muss. Als im Klang verschmolzenes Kollektiv zeigt es das Quartett von Quadri mit allen seinen Qualitäten, die ihm der junge Komponist noch vor dem offiziellen Beginn seines Studiums gegeben hat.
This string quartet by Mikhail Quadri was probably composed almost exactly one hundred years ago. And the recording may even have been preceded by the premiere.
Much of Mikhail Quadri’s life cannot be documented. Born in 1897, his life in Russia fell into turbulent times. Quadri first lived through the Russian Revolution on the side of the White Army, then switched to the Red Army of the communist Bolsheviks. It was not until he was 30 that he began to study music. As a nobleman, he was executed by the revolutionaries in 1929 – and it is still a tradition in Russia today that real or supposed enemies are murdered.
There is none of this in his only string quartet. His music sounds free and pleases with its vitality. Coming from this environment, modern texture can be found in it in isolated signs at best. The listener may thus enjoy the music, which is full of life. The four movements, lasting a total of 20 minutes, are a well-crafted work that invites you to listen with its entertaining design.
So, the Asasello Quartet once again offers a rarity. The wonderful thing about the ensemble’s playing is that it always uses its technical skills, but only as a basis for supporting and well thought-out interpretations and not just as an end in itself. With its sensitive playing, the quartet gives the music a quality and depth that must first be elicited from the work. As a collective fused in sound, Quadri’s quartet they demonstrate all the qualities that the young composer gave the work even before he officially began his studies.