Antonin Dvorak: Der Wassermann op. 107+ Die Mittagshexe op. 108 + Das goldene Spinnrad op. 109; Sinfonieorchester Basel, Ivor Bolton; # Prospero Classical 198846114736; Aufnahme 07.2021 + 09.2022, Veröffentlichung 04.04.2025 (72'46) – Rezension von Uwe Krusch & Guy Engels ** (For English please scroll down)

(Uwe Krusch) – Das Sinfonieorchester Basel veröffentlicht zusammen mit Ivor Bolton unter dem Titel Symphonische Dichtungen drei der vier Kompositionen dieser Gattung von Dvorak. Die Waldtaube hatte hier keinen Platz mehr. Ob es einfach an der Eingängigkeit der letzten Symphonien oder auch an der in moderneres Fahrwasser führenden Ausgestaltung dieser Stücke liegt oder vielleicht auch die Form der symphonischen Dichtung nicht goutiert wurde, jedenfalls fristen sie eher ein Schattendasein.

Umso schöner ist es, dass diese reizvolle Musik, die auch Elemente der Volksmusik aufgreift, sonst aber Ideen des 20. Jahrhunderts aufgreift, wieder in den Fokus genommen werden. Ob der rachsüchtige Wassergeist, die Hexe, die mittags Kinder holt, also eine Tschechische Form des Rattenfängers, oder das goldene Spinnrad um die ermordete Braut, der dank des Zaubers des Spinnrads doch noch wieder Leben eingehaucht werden kann, für zartbesaitete Gemüter sind die Geschichten dahinter nichts. Doch die Musik spricht eine klare Sprache, so dass die Bildhaftigkeit auch ohne Märchen erkennbar wird.

Bolton und das Sinfonieorchester Basel heben diesen erzählerischen Schatz mit dichter und farbig ausgestalteter Lesart. Zusammen haben sie sich zu einer treibenden Kraft in der Welt der Musik gemausert. Auch mit Repertoire außerhalb des engen Kanons machen sie immer mal wieder mit durchdachten und stringend gespielten Interpretationen auf sich aufmerksam.

Hier schaffen sie es mit leichter Hand, sowohl die erzählerische wie auch die symphonische Seite der Werke zu bedienen und so vermitteln so die wenig gezeigte Seite des tschechischen Komponisten eindrucksvoll und gleichzeitig auf höchstem Niveau. Da ist etwas zu entdecken.

Together with Ivor Bolton, the Basel Symphony Orchestra is releasing three of Dvorak’s four compositions in this genre under the genre Symphonic Poems. The Wood Pigeon had no place here. Whether it is simply due to the catchiness of the last symphonies or the more modern form of these pieces, or perhaps because the form of the symphonic poem was not appreciated, they tend to lead a shadowy existence.

It is therefore all the better that this charming music, which also takes up elements of folk music but otherwise adopts ideas from the 20th century, is being brought back into focus. Whether it’s the vengeful water spirit, the witch who fetches children at midday – a Czech form of the Pied Piper – or the golden spinning wheel around the murdered bride, who can be brought back to life thanks to the magic of the spinning wheel, the stories behind them are not for the faint-hearted. But the music speaks a clear language, so that the imagery is recognizable even without a fairy tale.

Bolton and the Basel Symphony Orchestra lift this narrative treasure with a dense and colorful reading. Together they have become a driving force in the world of music. Even with repertoire outside the narrow canon, they repeatedly attract attention with well thought-out and stringently played interpretations.

Here, they manage to serve both the narrative and the symphonic side of the works with a light hand, thus conveying the little-known side of the Czech composer impressively and at the same time at the highest level. There is something to discover.

(Guy Engels) – In seinen späten Jahren wandte Antonin Dvorak sich einem für ihn neuen Genre zu: der symphonischen Dichtung. Grundlage für seine insgesamt vier Werke dieser Gattung war die Märchensammlung seines Landsmannes Karel Jaromir Erben. Genau wie in Märchen anderer Länder begegnen wir hier den typischen Topoi: die Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse, stolze Ritter und Könige, liebliche junge Damen sowie furchteinflössende Hexen, Zauberer und Stiefmütter.

Ivor Bolton und das Sinfonieorchester Basel haben jene drei Dichtungen eingespielt, die 1896 gemeinsam uraufgeführt wurden.

Der britische Dirigent und seine Basler Musiker haben in den drei Partituren einen spannenden Weg zwischen märchenhafter Idylle und den tiefsten Abgründen menschlicher Seelen und böser Geister gefunden. Dieses Spannungsverhältnis eröffnet viel Raum für ausdrucksstarke und farbenreiche Interpretationen, den Orchester und Dirigent in beeindruckender Manier ausnutzen. Dieses Hin und Her von zarten Melodien der Liebe, Hoffnung und Zuversicht und dem immer wieder unbarmherzig hereinbrechenden Unheil – in zwei von drei Fällen ohne Happy End – verleiht der Musik die nötige Intensität.

Hilfreich sind auch die Anmerkungen, die Dvorak selbst als Begleitfaden durch die Dichtungen geschrieben hat. Man kommt aber mit einigem Grundwissen über die jeweiligen Erzählungen auch ohne diese Hilfe aus, denn die Interpretationen animieren zur Genüge die eigene Vorstellungskraft der Geschehnisse.

In his later years, Antonin Dvorak turned to a new genre for him: symphonic poetry. The basis for his four works in this genre was the collection of fairy tales by his compatriot Karel Jaromir Erben. As in fairy tales from other countries, we find here the typical topoi: the conflict between good and evil, proud knights and kings, lovely young ladies as well as terrifying witches, wizards and stepmothers.

Ivor Bolton and the Basel Symphony Orchestra have recorded these three poems, which were first performed together in 1896.

In the three scores, the British conductor and his Basel musicians have found an exciting path between fairy-tale idyll and the deepest abysses of the human soul and evil spirits. This tension opens up a lot of space for expressive and colorful interpretations, which the orchestra and the conductor take advantage of in an impressive way. This back and forth between tender melodies of love, hope and confidence and the relentless onslaught of disaster – in two out of three cases without a happy ending – gives the music the necessary intensity.

The notes that Dvorak himself wrote to accompany the poems are also helpful. However, if you have some basic knowledge of the stories, you can get by without them, as the interpretations will stimulate your own imagination of the events.

  • Pizzicato

  • Archives