Frau Abel, Frau Klein, Sie verfolgen beide auch Solokarrieren – wann und wie haben Sie sich aber als Lied-Duo gefunden?
Wir haben uns ganz am Anfang unseres Studiums 2011 in Freiburg kennengelernt. Ein Semester hatten wir dort Lied-Unterricht, dann verschlug es uns beide an andere Studienorte. Schließlich sind wir beide in München gelandet und Monika hat während der Corona-Pandemie 2020 wieder bei Kathrin angeklopft. Seitdem arbeiten wir recht intensiv zusammen.
Wie schwierig ist es heute, sich als Lied-Duo zu etablieren? Sie sind ja aus dem Deutschen Musikwettbewerb 2022 als Stipendiaten hervorgegangen, wurden sogar mit einem Sonderpreis ausgezeichnet – man würde meinen, dass einen da die Konzert-Veranstalter und Platten-Labels mit offenen Armen empfangen, ist das aber auch so?
Der Markt für Lied ist leider sehr klein, kleiner als für Kammermusik, und um die wenigen Konzerte buhlen viele Lied-Duos. Als Künstler*in muss man heutzutage unglaublich viel Arbeit in die Selbstvermarktung stecken, Mails an Veranstalter schicken, innovative Konzertprogramme entwerfen, etc. Eine Auszeichnung beim Deutschen Musikwettbewerb ist zwar ein kleiner Schub, reicht aber bei weitem nicht aus.
Wie hoch schätzen Sie heute noch die Bedeutung von Wettbewerben ein? In den 2000er- und 2010er-Jahren hatte das positive Abschneiden bei Wettbewerben ja eine sehr große Bedeutung beim Karriereaufbau. Bei einigen Künstlerinnen und Künstlern konnte man meinen, dass die Wettbewerbstitel förmlich gesammelt haben. Seit den Zeiten der Corona-Pandemie scheint sich dieser Trend etwas abgeschwächt zu haben?
Wettbewerbserfolge sind gut für den Lebenslauf, bringen ein bisschen Geld, vielleicht das ein oder andere Konzert und Sichtbarkeit auf begrenzte Zeit. Danach muss man sich wieder selbst kümmern, wenn man nicht von einer Agentur vertreten wird. Es kommt natürlich auf den Wettbewerb an, aber die wenigsten haben nach der Preisverleihung die Karriere ihrer Preisträger wirklich im Blick. Dies gilt leider besonders für die Liedduo-Wettbewerbe, von denen es gar nicht so wenige gibt. Auch dort haben wir über die Jahre Duos beobachtet, denen auch mehrere Wettbewerbstitel langfristig wenig genutzt haben, wenige Ausnahmen natürlich eingeschlossen – doch in diesen Fällen hat meistens nur die Sängerin oder der Sänger profitiert, das Duo dagegen hat oft an Bedeutung verloren.
Bei Ihrem Album fällt zunächst die Programmauswahl ins Auge: Messiaen, Webern, Strauss und ein Werk der Komponistin Graciane Finzi. Wie kamen Sie auf diese außergewöhnliche Programmzusammenstellung?
Wir mögen beide das Liedgut der Romantik und Moderne – deutsches und französisches Repertoire gleichermaßen. Gesetzt waren zunächst die Lieder von Strauss und Messiaen, deren Opulenz wollten wir aber unbedingt etwas Feines mit Webern und Finzi entgegensetzen. Das Album ist gewissermaßen als ‘Liederabend für zu Hause’ oder auch ‘to go’ konzipiert und setzt daher auf Abwechslung und Kontrast und nicht auf die Retrospektive einer Komponistin oder eines Komponisten, wie man es meistens antrifft.
Gibt es eine besondere Beziehung zum Werk von oder der Person Graciane Finzi?
Auf den Zyklus brachte uns Ulrich Eisenlohr, emeritierter Liedprofessor der Musikhochschule Köln, den wir sehr schätzen und mit dem wir mögliches Repertoire für die CD besprochen haben. Wir fanden schnell Gefallen an den Liedern und haben die Komponistin Graciane Finzi in Paris in ihrem Zuhause besucht und mit ihr an dem Zyklus gearbeitet. Das war schon etwas Besonderes!
Auf den ersten Blick scheint der Strauss-Anteil Ihres Albums etwas aus dem Rahmen zu fallen. Wie fügt er sich Ihrer Meinung zufolge in den Repertoirerahmen Ihres Albums ein?
Für uns ist das interessanterweise gar nicht so. Wie gesagt, waren für uns die großen Zyklen Strauss und Messiaen als erste gesetzt. Mit Webern haben wir die Verbindung zwischen Romantik und Moderne gesucht, denn auch wenn die Töne atonal sind, ist der Gestus der Phrasen bei Weberns Liedern ein äußerst romantischer. Zwischen den vier Zyklen gibt es auf der Textebene sehr viele Querverbindungen, zum Beispiel bei der Pflanzenwelt bei Strauss und Finzi, dem Religiösen bei Messiaen und Webern oder dem Fernöstlichen bei Finzi und Webern. Für uns gibt es keine Kluft zwischen Romantik und Moderne.
Wie würden Sie insgesamt die Erfahrung der Aufnahmen zu Ihrem Debütalbum beschreiben? Was haben sich für Herausforderungen gestellt und was hat sich dadurch für Sie ergeben?
Die CD-Aufnahme war für uns beide eine ganz neue Erfahrung und zugleich große Herausforderung. Im Vorfeld muss so viel organisiert werden (Saal, Tonmeister, Klavierstimmer): alle Beteiligten müssen Zeit haben, und auch fit sein (gerade als Sänger*in ist das eine heikle Angelegenheit, denn Gesundheit lässt sich nicht planen). Auch der Kontakt zum Label und die nötigen PR-Maßnahmen waren für uns eine neue Welt und haben uns auch die harten Gesetze des Marktes nochmals bewusst gemacht. Für die Aufnahme selbst hatten wir vier Tage eingeplant. Das klingt nach viel Zeit, hätte aber aufgrund des anspruchsvollen Programms keinesfalls weniger sein dürfen.
Wie fühlt sich das an, wenn man ohne Publikum Höchstleistung bringen muss, und wenn dann noch ein Tonmeister dabei ist, der während der Aufnahme jede Note akribisch in der Partitur nachverfolgt. Baut sich dadurch nicht ein großer Druck auf?
Druck war schon da, ja. Besonders die Tatsache, dass für ein möglichst gutes Endergebnis alles passen muss (kein Nebengeräusch, kein Kratzen in der Stimme, kein falscher Ton im Klavier, Stimme und Klavier genau übereinander), war teilweise stressig. Denn eigentlich soll es Ende ja nach freiem Musizieren und nicht nach Arbeit klingen. Unserem Tonmeister Piotr Furmanczyk sind wir aber sehr dankbar, dass er uns nur unterstützt und nicht noch weiter unter Druck gesetzt hat.
Was sind Ihre Pläne für die kommenden Monate: Gibt es Konzerte, Projekte, vielleicht sogar Überlegungen für ein weiteres Album?
Wir haben diese Saison noch einige Liederabende und sind bei einem großen Wettbewerb in Lyon im Halbfinale, der Ende April stattfinden wird. Auch in der nächsten Saison wird es mit Konzerten weitergehen und wir arbeiten auch wieder an von uns selbst kuratierten Projekten. Und ja, es gibt Überlegungen für ein weiteres Album, das möchten wir nicht ausschließen.