
Der hundertste Geburtstag von Pierre Boulez bietet die Gelegenheit, sich mit dem Jubilar zu beschäftigen, was einige auch tun. Das Label Audite steuert vom Debutauftritt des Alban Berg Quartetts in Luzern eine Aufnahme mit dem ersten Satz in zwei Teilen aus dem Livre pour quatuor bei. Dabei handelt es sich um die einzige Aufführung dieses Werkes durch das Alban Berg Quartett in seiner Standardbesetzung.
In nur knapp sechs Minuten eröffnen sie die ganze Palette der Herausforderungen, die sich den Spielern mit diesem Werk stellen. Mit ihrem Eintreten für die beiden Teile des ersten Satzes des Quartetts folgten sie der Idee von Boulez, der es jedem Interpreten überließ, welche Teile und in welcher Reihenfolge er dieses bis 2012 immer wieder überarbeitete Quartett aufführt.
Schon in den wenigen Minuten werden die karge Landschaft einerseits und die andererseits wild wachsende Vegetation dieser Komposition vom Alban Berg Quartett eindeutig offen gelegt. Die akribischen Vorgaben lassen sich kaum komplett umsetzen. Trotzdem lieferte das Alban Berg Quartett damals schon einen faszinierend umfassenden Blick auf dieses so reichhaltig ausgestattete Werk, dessen vielfältige Anforderungen jeden Musiker aufs Höchste beanspruchen.
Die Schwierigkeiten merkt man den Interpreten in ihrer lebendig gestalteten Darbietung, die sich auch durch ihr gehaltvolles Timbre auszeichnet, keineswegs an. So spendiert das Label Audite eine bereichernde Einspielung dieses persönlichsten Werkes von Boulez.
The centenary of Pierre Boulez’s birth provides an opportunity to focus on the composer, which some people are doing. The Audite label is contributing a recording of the first movement in two parts from the Livre pour quatuor from the Alban Berg Quartet’s debut performance in Lucerne. This is the only performance of this work by the Alban Berg Quartet in its standard instrumentation.
In just under six minutes, they open up the whole range of challenges that the players face with this work. With their commitment to the two parts of the first movement of the quartet, they followed Boulez’s idea, who left it up to each performer to decide which parts and in which order to perform this quartet, which was repeatedly revised until 2012.
The barren landscape on the one hand and the wild vegetation of this composition on the other are clearly revealed by the Alban Berg Quartet in just a few minutes. The meticulous specifications can hardly be fully realized. Nevertheless, the Alban Berg Quartet provided a fascinatingly comprehensive view of this richly endowed work, whose diverse demands make the utmost demands on every musician.
The difficulties are in no way noticeable in the interpreters’ lively performance, which is also characterized by its rich timbre. The Audite label thus presents an enriching recording of this, Boulez’s most personal work.